Blogparade zum Thema “Vorbilder”

In den 80ern war’s Madonna, in den 90ern Kurt Cobain, seit 2000 so ziemlich jede Gestalt, die es musikalisch aus dem Disney Channel schafft: Vorbilder. Es gibt sie in ihrer positiven, wie negativen Variante, in Teilen und auch als Ganzes. Der Einladung von der lieben Carla folgend, reden wir heute mal drüber, wie ich persönlich so zum Thema Vorbilder stehe.

Was definiert man eigentlich genau?

Konzentrieren wir uns auf den Begriff an sich: Vor – Bild. Ein nicht greifbares, sich in der ungewissen Zukunft befindendes Bild, eine Vorstellung, ein Wunsch. Es geht nicht darum sich auf eine einzelne Pionier-Person zu fixieren, sondern ein aus vielen erstrebenswerten Eigenschaften zusammengeflossenes Bild des idealen „Ich, wie ich bald sein will“ zu erschaffen. Ein Vorbild ist quasi ein Gestaltwandler, bei jedem unterschiedlich, bei jedem anders zusammengesetzt. Einige suchen sich zum Beispiel berühmte, erfolgreiche oder attraktive Menschen als Vorbild.
Zu diesen wird meist nicht als Ganzes aufgeschaut, sondern man pickt sich die vorteilhaften Attribute raus, denn Nobody is perfect: Die Ausdauer, Cleverness, Schönheit und Publicity, Ja! – Die gemachte Nase, die kaputte Ehe und den Skandal von neulich? Nein! Gerade weil Celebrities weltweit bekannt sind, werden sie von etlichen Menschen gesehen, sodass ihre besten Seiten tendenziell schneller und verbreiteter als Vorbildfunktion genutzt werden, als zum Beispiel die vom erfolgreichen Onkel in der eigenen Familie – was seine Leistung natürlich nicht weniger beeindruckend macht.
Aber die Reichweite ist der Knackpunkt. Warum wollen alle sein wie Kylie Jenner und keiner wie dein Kriegsheld-Opa? Weil sie ihn nicht kennen. Weil Kylie’s perfekt inszenierte Birne täglich im TV flimmert und Millionen Menschen zeigt: So geht Erfolg, es funktioniert bei mir, hier ist der Beweis! Ich würd’s für mich mal so definieren:

“Ein Vorbild ist ein individuell konstruiertes, erstrebenswertes Zukunfts-Ich, das aus richtungsweisenden Eigenschaften verschiedener Menschen zusammengesetzt und entsprechend den eigenen Neigungen und Zielen als persönliche Motivation, Handlungsorientierung und Erscheinungsikone gewählt wurde.”

Lol, ich kann labern, wa? Weiter im Text:

Vorbilder

Und wozu braucht man das?

Wirklich „Brauchen“ tut man sie nicht. Das Grundgerüst an Lebenszielen, Verhaltensweisen, Wunschaussehen und gelobten Charaktereigenschaften wird uns bereits von unserer Gesellschaft, Medien oder Familie suggeriert. Das heißt nicht unbedingt, dass wir in einer Gehirnwäsche-Blase leben, sondern dass sich bei uns sehr klar der Durchschnitt an beliebten Attributen abzeichnet. Aber es ist eben nur der Durchschnitt, die Richtlinie. Eigene Vorlieben und Ziele entwickeln sich sowieso obendrauf. Und das ist meistens der Punkt, wo der Wunsch nach einem Vorbild einsetzt: Ich würde so gern „so und so erreichen“ oder „so und so aussehen“.
Dann guckt man:
Wer genau ist denn so, und wie hat er das erreicht? Kann man das überhaupt schaffen, und wenn ja – wie reagieren die Leute da drauf? Gilt derjenige als Idol oder Loser? Egal was wir mit uns anfangen wollen, wir mögen es, ein Quäntchen Sicherheit zu haben, wie man das wohl anstellt, wie das Ergebnis ankommt und zu wem wir bei diesem Wunsch aufsehen können. Das kann bei riskanter Denkweise auch ordentlich nach hinten losgehen – siehe Mitläufer oder Trittbrettfahrer. „Bill Gates spendet 1 Million für die Forschung? Ich kann nur ´nen Fuffi klarmachen, aber ich mach’s auch!“ – Cool! – „Miley Cyrus springt zugedröhnt vor minderjährigen Fans auf ´nem XL-Aufblas-Penis rum? Ey, morgen is’ mein erster Arbeitstag im Kindergarten, DAS WIRD DER KNALLER!“ Hm, eher weniger cool.

Vorbilder

Ja, was sind denn jetzt die Gefahren/Euphorie daran?

Nach einem Vorbild zu handeln, entsagt einem nicht der eigenen Verantwortung. Mich trifft das immer besonders, wenn ich im Web unterwegs bin und sehe wie sich super junge Mädels bereits unter viel zu hohen Druck setzen, sodass sie im Nachhinein mehr unter der Wahl des Vorbildes leiden, als davon zu profitieren. Es gibt auf Youtube einige Experimente in denen veranschaulicht wird, wie leicht es teilweise ist an Handynummern, Adressen oder einen Treffpunkt mit einer Minderjährigen zu kommen – weil sie’s freiwillig auf dem Silbertablett serviert hat in der Hoffnung eine Extra-Dosis Bestätigung und Anerkennung zu erfahren, sich gegen die anderen makellosen Gesichter im Internet zu behaupten. Nicht nötig zu erwähnen, dass das nicht nur unglaublich destruktiv und naiv, sondern auch gefährlich ist.
Ganz einfaches Beispiel: Social Media ist DA SHIT. Alle nutzen es, rund um die Uhr, weltweit. Facebook, Twitter, Instagram und Co zeigen ihnen von Anfang an wie sie auszusehen haben (um geliked zu werden und im Zuge dessen Validierung zu kriegen), wie viele Freunde sie haben müssen (um überhaupt als cool zu gelten, denn wer keine Follower hat gilt als Niemand) und welche Produkte sie kaufen müssen, um beliebt zu sein (das neue Handymodell ist draußen, verkauf deine Seele um’s zu kriegen und lösch die Pics wo du das Alte inner Hand hast, sonst biste durch). Vor allem für sehr junge Kids fördert das eine niedrige Selbstbewusstseins-Rate.
Aber nein, liebe Über-Eltern, Social Media ist nicht die Wurzel des Bösen – das Zeug ist genial, wenn man weiß wie man es sicher benutzt! Wenn euer Engelchen mit 12 Jahren die Kardashians als Vorbild nimmt und halbnackt in Make-Up getunkt auf Snapchat Pirouetten dreht, dann müsst IHR das Gespräch suchen und nicht davon ausgehen, dass sich Do’s & Dont’s stillschweigend von selbst erklären. Jeder erwartet von seinem Kind gesunden Menschenverstand jo, aber dann achtet einfach mal drauf was in deren Alter als „wichtig“ gilt und zeigt ihnen Vorbilder die ‘n bisschen weniger bedenklich sind als Ballon-Arsch-Woman im Glitzercape.

Vorbilder

Fazit und wer so meine Vorbilder sind?

Alles in allem würde ich Vorbilder als etwas Gutes betrachten. Klar, man darf eben nie jemanden 1:1 kopieren wollen, sich von Zweifeln runterziehen lassen, weil’s nicht gleich so klappt wie beim Leitbild oder gar schwachsinnige Verhaltensweisen imitieren, um irgendwo gut anzukommen, obwohl man eigentlich ganz anders veranlagt ist.
Aber zu jemandem aufschauen zu können, und sei es nur bei den kleinen Dingen, gibt einem immer wieder Power und macht sogar glücklich, weil man weiß: das gibt es, das geht! Sucht euch tolle Puzzlestücke raus, himmelt ruhig mal jemanden an, statt neidisch zu denken. Ich persönlich hatte nie so richtig DAS Vorbild, wo ich dachte „Genau so muss ich werden!“, dafür aber mehrere Fälle, die ich für allgemeine Vorbilder halte (Bill Gates, wegen seiner Intelligenz und Großzügigkeit, Stephen Hawking, Nikola Tesla, Marie Curie oder Albert Einstein für ihre Entdeckungen und Neugier, Edward Snowden für seinen Mut, Mahatma Gandhi für seinen Willen, Königin Elisabeth I. für ihre Ausdauer, die Dalai-Lama für ihre Weisheit und viele mehr). Im engeren Kreis inspiriert mich meine freakige, liebevolle Mom (die Beste!♡) oder selbstverständlich manche populären Web- und Filmleute:
Eiichirō Oda, J.R.R.Tolkien, Wenqing Yan und Hayao Miyazaki geben mir regelmäßig im Kreativbereich den nötigen Tritt in den Hintern. In Sachen Humor sind mir der Fresh Prince, Shane Yaw, Rickey Thompson und Matt Cutshall ans Herz gewachsen, denn sie sind zudem hilfsbereit, clever und brechen auch mal mit der geplanten Bahn, um ihren Weg zu finden. Sie alle geben ihr Bestes um ihren Traum verwirklichen zu können, auch wenn’s nicht immer so läuft wie gedacht. Genauso schön ist es natürlich, wenn mal Freunde oder neue Bekanntschaften auf mich zu kommen, und mir offenbaren dass sie mich selbst als Vorbild wahrnehmen.

Jetzt sagt mal an, was denkt ihr über das Thema Vorbilder? Wer sind eure so und weshalb? Schreibt’s mir in die Kommentare!

Iconique Blogparade Vorbilder mach ich morgen

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9 Comments

  • Clara Hunzhof

    21. August 2015

    Find den Artikel absolut super! Meine Vorbilder sind Angelina Jolie, Emma Watson und Julianne Moore, weil sie sich für wichtige Themen wie Frauenrechte einsetzen und trotzdem ihr Promi-Leben stemmen, egal was andere über sie sagen!

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    • Chery

      23. August 2015

      Dank dir! Da hast du auch Recht, es ist immer ‚ne coole Sache wenn jemand seine Bekanntheit für gute Zwecke nutzt und etwas bewegen möchte 🙂

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  • Gregorian Human

    22. August 2015

    Richtig toller Beitrag! Ich find Vorbilder sind ultra wichtig und gehören im Leben dazu. Aber gibt auch welche wo nicht gut sind, wie in dem Fall so manch Trulla im TV! Oder Fußballer die sich für jeden Penny kaufen lassen!

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  • Maik K

    22. August 2015

    Sehr geistreicher Artikel. 🙂 Mir gefällt auch dein Schreibstil!

    Ich schätze Vorbilder auch als einen sehr wichtigen Schritt zur Selbstfindung/-entwicklung ein. Für mich als Musiker war es z.B. so, dass ich mit am Anfang keinen Plan hatte was mein “Sound” ist, bis ich einen bestimmten Künstler gefunden und mir gedacht habe: “Alles klar, ich will genau so klingen wie der!” Dann arbeitet man an sich, kommt dem Ziel immer näher, und irgendwann auf den letzten 10% merkt man dass man das gar nicht will und es eigentlich voll schwachsinnig ist jemand anderen nachzuahmen und findet stattdessen seine eigene Nische. Aber erst durch diesen Prozess der Selbstentfremdung erlangt man die Möglichkeit zu sehen was man selbst eigentlich ist und will und vorallem das Momentum um dahin zu kommen. 😉

    Im Idealfall ist das “Vorbild” auch möglichst fassbar. Also keine “Hollywood Celebrity” Persona die nur berühmt dafür ist berühmt zu sein. Optimal ist es wenn man sogar mit der Person interagieren kann dann saugt man automatisch viel mehr von der Einstellung und den Werten auf, die der Grund sind warum man sie verehrt. Vorallem merkt man aber auch dass sie auch nur Menschen sind und mit den gleichen Problemen und Unsicherheiten zu kömpfen haben wie man selbst.

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    • Chery

      23. August 2015

      Hallo Maik!
      Vielen Dank für deine tolle Antwort 🙂 Dein Entwicklungsschritt als Musiker gleicht sich auch in etwa mit meinen Erfahrungen: Es hat sich als unkluges Unterfangen herausgestellt, GENAUSO sein zu wollen wie jemand den man bewundert, aber auf dem Weg zu dieser Entdeckung hat man sich bereits durch eigene Initiative so gut entwickelt, dass man das auch gar nicht mehr braucht. Ich bin ebenso der Meinung, dass Vorbilder eine fantastische Starthilfe zu einem „besseren Ich“ sind, aber eben nur das und nicht bis zum fertigen Resultat. 😉
      Wer zum Beispiel instant den selben Erfolg wie die Beatles haben will, der wird mit seinem Vorbild lange unglücklich bleiben – aber anfangs ähnliche Schritte zu gehen wie sein Rolemodel bis man seinen eigenen Weg kennt, das ist super! Wenn man dann auch noch mit seinem Idol interagieren kann, ist das sogar noch besser, da hast du Recht. Manchmal macht’s auch einfach Spaß nicht nur eine gute Freundin, sondern ein richtiger kleiner „Fan“ zu sein. Viel Erfolg wünsch ich dir soweit auf deiner musikalischen Bahn! ♡

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      • Maik K

        24. August 2015

        Aww dankeschön!! :))
        Echt cool dass du dich in dem was ich beschrieben habe wiederfinden kannst, die allermeisten mit denen ich darüber gesprochen habe können das nur ganz abstrakt nachvollziehen.

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  • Yasemin

    28. August 2015

    Paris Hilton’s Minecraft-Kopf, Gehirnwäsche-Blase, Ballon-Arsch-Woman im Glitzercape, Du bist so kreativ, was die Wortzusammensetzungen angeht. Ich glaub’ ich liebe dich! <3

    Ne, im ernst. Danke für diesen tollen Beitrag und deiner Teilnahme an der Blogparade. Ich war ja fast etwas frustriert, bei den bisherigen Beiträgen, weil der Tenor bisher krass in die Richtung: ”Vorbilder? Näh, brauch ich nicht" ging und der Untertitel doch ”Was wir von anderen lernen können” ist. Ich finde nämlich, dass Vorbilder immens wichtig sind, um uns Orientierung zu geben und daher trifft es wohl besser, dass es ”Leitbilder” sind, wie du volkommend treffen an einer Stelle beschreibst. Sie leiten uns an in unbekannten Gefielden überhaupt uns zurecht zu finden und es steht uns frei zu sagen bis wohin wir mitgehen.

    Celsy, die auch an der Blogparade teilnahm hat geschrieben: „Dort, wo wir aufhören zu reflektieren und anfangen blind zu imitieren, verlieren wir uns selbst.“ Damit trifft sie den Nagel auf den Kopf. Ich denke, wenn Kinder und junge Heranwachsende kritisch reflektieren würden, würden sie auch kritisch mit dem Social Media/Internet umgehen. Nichts ist per se richtig oder falsch. Erst wir Menschen machen es gut oder schlecht 🙂

    Ich hab übrigens für jeden Lebensbereich ein Vorbild. Jigsawing par ecxellence!

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    • Chery

      29. August 2015

      Hi Yasemin, freut mich dass dir die Zusammensetzungen gefallen xD
      Ich finde das hast du perfekt formuliert mit “Sie leiten uns an in unbekannten Gefielden überhaupt uns zurecht zu finden und es steht uns frei zu sagen bis wohin wir mitgehen.” Wenn man gar keine Vorbilder hätte würde es so vielen unsicheren Menschen an Motivation und Vorfreude mangeln, das wär einfach nur schade! Stimme dir auch absolut zu, was das Reflektieren angeht. Sobald das aufhört, ist eigentlich in jedem Lebensbereich Sense. Ist auch praktisch dass du in jedem Sektor ein eigenes Vorbild hast, quasi den vollen Energiedrink der Leitbilder 😀

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